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Die Allgäuer Zeitung
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Die Kritik vom 23.04.2008 in der Süddeutschen Zeitung zum Auftritt in Vaterstetten.

Tränensäcke wie Weinberge
Michi Marchner überzeugt mit lautem, ehrlichem Humor
Vaterstetten
Mit einer kleinen Stripeinlage hatte an diesem Abend wohl keiner gerechnet. Doch als der Mann auf der Bühne mit einem spitzbübischen Lächeln langsam seinen Gürtel auszog, einmal an ihm entlang schleckte, und dann auch noch Hose und Oberteil fallen ließ, füllte sich die Vaterstettener Landlust mit lautem Lachen. Der Anblick war auch zu komisch: Musikkabarettist Michi Marchner, der normalerweise mit den Les Derhosn auftritt, stand in einer engen Badehose in Tarnfarben und einem – wohlgemerkt bauchfreien – Badetop vor dem Publikum und fühlte sich sichtlich wohl.
Aber natürlich hatte diese Einlage auch einen Sinn: Der Kabarettist wollte sein Urlaubsoutfit demonstrieren, um die Erzählung von einer Reise mit seiner Freundin zu veranschaulichen. Die hatte ihm nämlich verboten, Musik zu machen – Höllenqualen für Marchner. Doch beim Schnorcheln im besagten Outfit kam ihm die rettende Idee… Marchner auf der Bühne zog also noch Flossen über seine Socken und einen Schnorchel – „ein Wunder mediterraner Klangtechnik“ – aus einem Koffer. So ausgestattet trompetete er durch das Plastikrohr und stampfte mit den Füßen einen Rhythmus dazu. Während das Publikum vor Lachen nicht mehr konnte, machte sich vermutlich auch die ein oder andere Zuschauerin Gedanken darüber, ob die Badehose bei diesen wilden Übungen auch ja am richtigen Fleck bleiben würde.
Den Rest des Abends blieb der Kabarettist, Jahrgang 1966, Gott sei Dank bekleidet. Dabei berichtete er über allgemeine Tendenzen wie die Midlifecrisis ab 40, wo die Tränensäcke zu Weinbergen würden, aber auch viel Persönliches war in dem Programm „Fallbeil-Spiele“ verpackt. Sichtlich noch immer traumatisiert erzählte Marchner etwa von seiner Gaumenzäpfchenschwellung vor der ersten Premiere, die sein Arzt beheben wollte, indem er das Gaumenzäpfchen aufrollte und dann an den Gaumen annähte.
Auch Geschichten aus Marchners Jugend bekam das Publikum zu hören, vor allem aus seinem Leben in einem „Reihenmittelhaus auf dem Land“ – „dem Ende jeder sozialen Leiter“. „Mein Vater wollte nur aus München raus, um ein Stückchen Rasen um seinen Grill zu haben“, erklärte der Kabarettist. Schließlich sei sein Vater ein Griller. Und schon stimmte Marchner ein Lied über seinen Erzeuger an, der mit seinem Grill für Ruhe in der Nachbarschaft gesorgt habe: Immer wenn sich jemand über etwas beschwerte, gab es eine neue Kerbe am Grill – und der Störenfried ward nie wieder gesehen.
Michi Marchner ist kein Mann der leisen Töne. Sein Humor ist direkt, ehrlich, laut und dabei urkomisch. Indem er das Publikum immer wieder miteinbezog, wirkte sein Programm erfrischend improvisiert. Die lyrischen und musikalischen Einlagen machten den Abend dabei perfekt.
ANNIKA BINDER

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Die Kritik vom 26.04.2008 im Münchner Merkur zum Auftritt in Vaterstetten.

LANDLUST
Unverkrampft lustig
VON FRANZ KÖPPL
Vaterstetten
Die Kabarettisten, die im Nebenraum der Vaterstettener Landlust auftreten, sind sehr unterschiedlich. Nicht nur von den Themen her, sondern auch von ihren Auftritten und ihrem Stil. Ein Highlight war der Auftritt von Michi Marchner, der mit hohem Tempo und viel Witz das Publikum im ausverkauften Saal unterhielt.
„Fallbeilspiele“ ist das Thema, dem sich der Münchner Kabarettist gewidmet hat und gleich zum Einstieg singt Marchner im Stile Reinhard Meys und sinniert darüber, wie sein Leben hätte werden können, wenn es anders verlaufen wäre. Bei seinem unverkrampften Humor, gepaart mit einem spitzbübischen Grinsen, nimmt man ihm alles ab. Auch dass er mit der heutigen Welt Probleme habe, denn er ist ja in einer anderen Welt geboren und so erzählt er von früher und von zuhause. Früher habe man einen Beruf erlernt, bis 65 gearbeitet und dann seine sichere Rente gehabt.
Heute könne man nur noch rumriestern und herumrürupen oder daherharzen. Wenn früher jemand mit dem Telefon zu fotografieren hätte versucht, sei er weggesperrt worden, wohingegen sogar die Oma telefonieren hätte können. Er, der früher der König der Schwabinger Hinterhöfe gewesen sei, war von den Eltern anlässlich deren Umzug aufs Land verschleppt worden und habe künftig in einem Reihenmittelhaus leben müssen – mit einem Rasen, der nur knapp um den Grill herumgereicht habe. Womit er elegant beim Grillen angekommen war und seinen Vater beschrieb, der als Griller alle Streitigkeiten mit anderen Menschen dadurch erledigt habe, dass er sie nach dem Mord einfach gegrillt habe.
Ein Höhepunkt des Abends war sicherlich ein gekonnter und niveauvoller Männerstrip, bis er in der Badehose seine Nummer als Schnorchler darbot mit Schnorchel und Deutschlandhut. Dass man mit einem Metronom und Schwimmflossen richtig Musik machen kann, wissen jetzt alle Besucher, ebenso wie der Umstand, dass er bissig-ironische Gedichte vorträgt. Beispielsweise über die Frage, warum das Leben keinen Reset-Knopf hat.
Interessant auch, wie der bekennende Hypochonder über Esoteriker herzieht. Aber bei aller Bösartigkeit kann er auch wunderschöne und gefühlvolle Liebeslieder singen und versöhnt damit mit Sicherheit auch den letzten Besucher.

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Die Kritik vom 09.05.2008 in der Süddeutschen Zeitung zum Auftritt in Wörthsee.

Kabarett– statt Klezmer-Abend
Auf der Suche nach dem Reset-Knopf im Leben
Michi Marchner gelingt das Kunststück, das Publikum mit seinem Überraschungsauftritt zu begeistern
Wörthsee.
Wegen Erkrankung kam Massel-Tov nicht. Schickte aber ins Wörthseer „Steinebacher“ seinen Bassisten, denn der kommt selbst mit einem vollen Zuschauerraum auch alleine zurecht. Glück gehabt. Seit 1989 beweist Michi Marchner mit LesDerhosn zudem, dass er nicht nur ein gewandter Musiker ist und neben Bass und Trommeln sowohl Gitarre wie auch Klavier beherrscht, sondern darüber hinaus ein glänzender Wortkünstler und Komiker ist. Seit sechs Jahren wagt sich Marchner sogar als Solokabarettist auf die Bühne, wo er zu einem durchaus persönlichen Stil fand.
Doch im Steinebacher lag der Fall anders: Es ging ja darum, ein Publikum kabarettistisch zu unterhalten, das sich auf melancholischen Klezmer eingestellt hatte. Da half nur, mit dem Publikum auf Tuchfühlung zu gehen und herauszufinden, was geht. Kein Problem für Marchner, denn improvisiertes Sticheln, Necken und Provozieren sind offenbar seine Leidenschaft.
Aus seinem Fundus entstand dann ein recht buntes Programm, das der Kabarettist mit Geschick collagierte. Die Badehosennummer, der fiktive Urlaub im öden Griechenland mit seiner „Parfümerieverkäuferin mit Hang zur Esoterik“, traf vielleicht nicht ganz den Geschmack des Publikums an diesem Abend, doch Flossensteppen mit Cola-Dosen-Rasseln zu Metronomtakt, Schnorchelröhren und wippenden Weichteilen hatten dennoch etwas Urkomisches. Eben „Shivas Beckenschaukeln aus der Tantra“. Ansonsten rückte Marchners Fundus auch Lebensweises heraus, und ebenso die Alltagssatire blieb nicht an der Oberfläche, zumal mit raffinierten Wortspielen in Mehrdeutigkeiten verstrickt.
Das Erfolgsrezept ist hier einfach: Marchner geht vom selbst Erlebten aus und verschafft sich durchs Überspitzen Erleichterung. Das ist authentisch, aufrichtig und aus dem Leben – auch der Zuschauer – gegriffen. Wer fühlt sich denn nicht vom allgegenwärtigen Kommunikationsterror ermüdet? Ja, einst kam das Telefon aus der Wand und war für jedermann bedienbar. „Wenn man damit versucht hat, zu fotografieren, hat man einen weggesperrt.“ Heute ist alles anders. „Dein bisschen Lebenserfahrung google ich mir in zehn Minuten“, muss sich da ein Midlifecrisis-geplagter, bereits dem Verfall preisgegebener 40-Jähriger vorhalten lassen. Und auf die Wehwehchen des vom Lifestyle gemachten Hypochonders lauern schon gierige Mediziner – pauschal mit Antibiotika und OP-Tisch. „Gesundheitsreform oder Erschießungskommando“, das ist hier die Frage. Doch was tun, fragt Marchner, wenn eine Gaumenzäpfchenschwellung den zur Verteidigung dringend notwendigen Aggressionslaut „Rrrrrr“ bedroht und hoch potenzierter Nonnenkot nichts hilft? Marchner weiß es: Thai Chi – und der Medizinschwindel ist entlarvt.
„Warum hat das Leben nicht einen Reset-Knopf“, klang schon mal auch wehmütig. Besonders packend sind Marchners Songs indes, wenn sie bissig sind. Mit schwarzem Humor überzeugt er gänzlich, wenn er etwa vom scheinbar so spießigen Vater singt, der mit dem Grill Nachbarschaftsprobleme löst: „Er grillt still, aber gerecht.“ Allzu gern wüsste man, wie viele Erfolgskerben den Grill schon schmücken – auf dem DIN-A-3-Rasen vor dem Reihenmittelhaus, „dem Ende jeder sozialen Leiter“.
REINHARD PALMER

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Hier der Bericht im Magazin «Holiday event – Das ERLEBNIS-MAGAZIN» vom Februar 2007 zum Auftritt in Farchant:

Toller Auftakt für Kabarettspitzen im Alten Wirt Farchant
Michi Marchner setzte Gerhard Polt noch einen drauf


Wenn Gerhard Polt zum Vortrag ruft, strömt das Publikum. Dies bestätigte sich wieder einmal sehr eindrucksvoll bei der Premiere zu Kabarettspitzen im «Alten Wirt» in Farchant. Innerhalb weniger Tage waren die 600 Karten vergriffen und damit der Saal zum Bersten gefüllt. Wenngleich es Meister Polt gelang dem einen oder anderen seine Weihnachtssentimentalität etwas zu trüben, so haben sich die Meisten wie gewohnt köstlich amüsiert. Als sinnige Ergänzung erwies sich Polts Begleitband Whyrauch aus dem Zillertal mit gekonnt schrägem Volksliedrepertoire, wie es sonst fürs Zillertal absolut unüblich ist.

Einen Monat später wurde dann an gleicher Stelle zum zweiten Streich angesetzt. «Die Scheinheiligen» trafen sich mit Michi Marchner. Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen.

Als die Scheinheiligen vor etwa zwei Jahren debütierten, hatte ihnen insbesondere Steffi Rehm eine erfolgreiche Zukunft prognostiziert. In der Tat haben sie sich bis heute mächtig gesteigert, was in Farchant seine einmütige Bestätigung fand. Was Kabarett betrifft sind sie inzwischen das Beste, was das Karwendelgebirge zu bieten hat.

Wäre da nicht Michi Marchner aufgetaucht, der Beifall für die Scheinheiligen wäre kaum zu schlagen gewesen. Doch Marchner nahm keine Rücksicht auf seine Berufskollegen und hat nicht nur ein Pfund, sondern gleich einige Zentner draufgepackt. Dabei hat er es vermieden, irgendjemanden in die Pfanne zu hauen, sondern sich darauf beschränkt, über sich selbst und seine diversen Begegnungen zu erzählen, was zu einem Angriff auf Zwerchfell und Lachmuskulatur führte, so dass kein Auge trocken blieb. Marchners musikalische Zwischenspiele ergriffen dann auch noch das Gemüt, so dass der Verbrauch an Taschentücher schier ins Unermessliche stieg. Nur ein deutlich ausgehandelter Kompromiss machte es möglich, dass man nach etlichen Zugaben den entkräfteten Michi dann doch von der Bühne ließ. Die einhellige Meinung des Publikums: «Dieser Auftritt war eine Sensation!» Wann wird es einen solchen wiedergeben? Wir hoffen bald!!!

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Oder ein Bericht aus Sonthofen aus der Allgäuer Zeitung vom 19.10.2007.

Lockerer Sprung vom Schlachthof zum Badestrand
Kabarett-Festival
Michi Marchner kitzelt und plagt in Sonthofen mit «Fallbeil-Spielen» Hirn und Zwerchfell


VON CHRISTOPH PFISTER
Sonthofen

Sie müht sich reichlich auf großen und kleinen Bühnen, die bunte, täglich wachsende Truppe der Kabarettisten. Die allfällige Überdosis wird mit Schrillheit und Banalität bekämpft, im freien Fall geht das Niveau nach unten. Einer leuchtet da heraus. Einer, der keinen in die Pfanne haut, nicht unterhalb der Gürtellinie wühlt, nicht kreischt und nicht die Sprache plagt: Michi Marchner.

Er hat sich auf die guten Tugenden der Kleinkunst besonnen und mischt munter anspruchsvolles Wortspiel, Musik und Slapstick in «Fallbeil-Spiele», purzelt herzerfrischend durch eine Revue aus Komik der Schwarz-Weiß-Ära und Zeitgeist, kitzelt, ja plagt bisweilen Hirn und Zwerchfell. Mit dem Charme eines Schulbuben, der Lanze des Satirikers, der Komik des Clowns. Mit Persönlichkeit und einem so direkten «Angriff» auf sein Publikum, dass man nicht anders kann, als herzhaft lachen, als sich wundern und staunen, wie der Typ da oben auf der Sonthofer Kultur-Werkstatt-Bühne nur so sprudeln kann von spaßigen Gedanken, von Mienenspiel und Blödelei.

Jonglieren mit Mehrdeutigkeit

Marchner muss dafür keine Hirnwindungen bemühen, und erst recht nicht Gags basteln, die mehr oder minder bekannte Persönlichkeiten beleuchten. Sein «Fall» ist er selber, seine Geschichten schreibt das eigene Leben. Im lockeren Sprung vom Schlachthof zum Badestrand kann tatsächlich viel passieren und heftig auf der Hörer Lachmuskeln treffen, wenn der gleiche Klang, aber die höchst unterschiedliche Bedeutung von Schriftsprache und Dialekt gekoppelt werden, bildliche Begriffe im beiläufig angehängten Nebensatz in eine rationale Welt, eine andere Begrifflichkeit geholt werden. Der Erzkomödiant jongliert genial mit echter und erfundener Mehrdeutigkeit.

Vor Schmunzeleien wird man selbst in seinen Liebesliedern verfolgt und auch wenn der Marchner zum Barden wird, auf Schnorcheln trötet oder sein Schlagzeug auspackt, ist Lustgewinn garantiert. Und wenn er gar in der Badehose und lächerlichem Strandtop flossentrommelnd Strandgymnastik veralbert, im Schein der Taschenlampe unter einer dicken Cremeschicht Gesichtsgymnastik treibt, die Kunst der Mimik zum Gipfel jagt. Das Schöne daran: Man kann der Akrobatik unbeschwert folgen und Michi lässt seinen Gästen Zeit zum Ablachen.

Der Blick in die wirkliche Welt genügt, das Verdrehen von Fakten und Empfindungen schafft schon Vergnügen, gequerte Gedankengänge, die der «Les-Derhosn» – Mann bisweilen mit Karl Valentin teilt. Der Fokus auf den Kern, das Abschälen schönender Fassaden bestückt seinen Witz. Kabarett von einem Könner, mit einem Talent für das wirklich Komische, für einen ehrlichen Spaß. Selten so gelacht!

Die Besprechung gibt es auch als PDF (107 KB), einfach klicken.

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